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Pressemeldungen | 25.05.2020

Die Geschichte hinter dem Foto: Die Freude des Lead-Out Fahrers Rudi Selig

Ich glaube, dass ich die letzten Kilometer dieser Etappe beim Giro nie vergessen werde. Ich habe auch nie während eines Rennens so kalte Wetterbedingungen erlebt. Alle im Peloton zitterten vor Kälte und wir konnten kaum warten, bis wir die Ziellinie überqueren konnten. Dazu gab es auch noch einige wirklich knifflige Kurven vor dem Finale, was den Tag auch nicht einfacher machte. 

Aber als Profi lernt man, den Schmerz und die Risiken zu einem gewissen Grad zu vergessen. Im Finale konzentriert man sich nur noch auf seine Position und darauf, wie man seinen Sprinter so positionieren kann, dass er eine gute Chance hat, die Etappe zu gewinnen. Und dann vertraue ich einfach auf mich selbst und auf Acki, um den Job zu einem erfolgreichen Ende zu bringen.

Ich wurde oft gefragt, wie es für einen Lead-out Fahrer ist, wenn sein Sprinter ein Rennen gewinnt. Für mich persönlich ist es wirklich ein schönes Gefühl, wenn Acki die Ziellinie als Erster überquert. Ich würde sogar sagen, es ist besser, als wenn ich gewinnen würde. Ich kann das nicht wirklich erklären, aber so ist es. Ich liebe das, was wir tun, und ich habe als Lead-out Fahrer meine perfekte Rolle im Peloton gefunden. Ich glaube, ich bin auch einer der Besten in dieser Rolle. Ich glaube, es ist besser zu versuchen, der beste Lead-out rider zu sein, als ein „guter“ Sprinter.

Das erste Rennen, das Acki und ich zusammen fuhren war die Tour de Romandie im Jahre 2018. Auf der letzten Etappe gab es eine Chance für uns im Sprint, aber vorher mussten wir die schwierigen Bergetappen überwinden. Acki hat allerdings während dieser Woche viel Selbstvertrauen gewonnen, also habe ich ihm ganz vertraut, und auf der letzten Etappe holten wir den Sieg. Das war auch der Beginn einer guten Freundschaft.

Von Anfang an kamen wir wirklich gut miteinander aus, und wir merkten schnell, dass wir einander gegenseitig voll vertrauen konnten. Er ist eigentlich der erste Sprinter, der mein Hinterrad immer finden kann, egal wie chaotisch oder hektisch der Sprint ist. Er findet immer einen Weg zu meinem Hinterrad. Ich glaube, wir fahren immer nach Instinkt, denn wir denken ganz ähnlich. Normalerweise rufe ich auf den letzten Kilometern ein paar Mal, um zu sehen, ob er immer noch hinter mir ist, und ich höre immer dasselbe: „Ja!“

Und deshalb kann man immer auf den Zielfotos sehen, wie ich mich so freue, wenn Acki gewinnt.

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